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1812 - … Das Waldgasthaus Schmücke (Ergänzung 1812-001)

Autor:  Reinhard Schmidt  (2026)


Die herzogliche Kammer in Gotha ließ auf der Schmücke ein zweistöckiges Gebäude errichten, welches 1812 die Gastgerechtigkeit erhielt. Das Gasthaus, das heute noch dort steht, wurde aber erst 1823 gebaut. Die ersten drei Pächter der Schmücke enttäuschten sehr. Sie beteiligten sich an Holzdiebstählen und Wilddiebereien. Es musste deshalb vorübergehend sogar ein Kommando Soldaten auf die Schmücke verlegt werden. Erst als am 1.5.1843 der bekanntgewordene „Joel“ die Bewirtschaftung erhielt, ging es mit dem Gasthof wieder bergauf.


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v.l. Förster Karl Morba mit Luise und Friedrich Joel

Joel wurde zum Jagd- und Forstschutz verpflichtet und erhielt dafür die Schmücke mit Wohn-, Back- und Brauhaus, Kuh- und Fohlenstall, sowie Wiesen-, Weide- und Rodeland unentgeltlich zur Benutzung.


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Nach Joels Tod 1852 wurde die Schmücke von einem Hannibal Schneider bewirtschaftet. Ihm folgte der Gastwirt Rechenbach und dessen Sohn. Im Jahre 1900 wurde an der Südseite des Gasthauses ein Saal angebaut.

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Das Bild zeigt den Saalanbau und das separate Logierhaus.

Neben dem Gebäude entstand nordwärts das Pensions- und Logierhaus. 1914 übernahm Albrecht Wieprecht das Berggasthaus. In den Nachkriegsjahren blühte der Gasthof schnell auf. Waren es vor dem Kriege hauptsächlich Pferdedroschken gewesen, die auf dem Platz vor der Schmücke auffuhren, so nahm nunmehr die Zahl der Automobile und Kraftomnibusse von Jahr zu Jahr zu. Auch im Winter reichten die Räume sonntags nicht mehr aus. Die Skiläufer saßen z. T. auf der Treppe und verzehrten die kräftige „Skifahrersuppe“, die der Wirt in großen Kesseln kochen ließ. Ihre Schneeschuhe stellten sie währenddessen aufrecht in den Schnee, so dass zeitweise ein regelrechter „Zaun“ um das Gebäude entstand. Mit Beginn des zweiten Weltkrieges erstarb das frohe Treiben. 1944 mussten Gehlberger Arbeiter zur Schmücke gehen, um zahlreiche Veränderungen durchzuführen. Hitlers Außenminister v. Ribbentrop wünschte, sein Hauptquartier auf der Schmücke aufzuschlagen. Am 22.03.1945 hatte die SS die Schmücke beschlagnahmt. Der bisherige Wirt Wieprecht wurde zur Suhler Hütte ausquartiert. Für die im April anrückenden Amerikaner war die Schmücke als SS-Quartier ein vorrangiges Angriffsziel gewesen. Die Gebäude wurden durch Beschuss und anschließenden Vandalismus stark beschädigt. Nach dem Krieg war ein gewisser Breusch Pächter der Gaststätte. Der war, wie 1953 in erheblichen Zahlungsverzug geraten. Ab 01.10.1953 wurde das gesamte Objekt von einem Großbetrieb übernommen würde. Dieser Großbetrieb war – wie später bekannt wurde -der „VEB Eisenwerk West“ aus Calbe. Das gesamte Gebäudeensemble wurde saniert. Objektleiter wurde Herr Hoffmann.


1955 002 SchmueckeAbb. 1955-002
Die Schmücke im Jahr 1955.

Die Baudenabenden auf der Schmücke waren legendär. Herbert Roth war seit den 1950er-Jahren häufiger „Gast“ auf der Schmücke. Nicht nur jeder Thüringer kennt dessen Lied über den ehemaliger Schmücker-Wirt „Wenn das der alte Schmücker-Joel wüst‘“.

Mit der Wende 1989 änderte sich die Situation grundlegend. Das Metall-Leichtbau-Kombinat Werk Calbe (anfangs Eisenhüttenwerk Calbe) als Finanzier gab es nicht mehr. Dessen Betriebsferienheim war überflüssig und als Hotel nicht zeitgemäß. Der überdimensionierten Gastronomie fehlten die Gäste. Das Objekt wurde – wie auch der Trägerbetrieb in Calbe – durch die Treuhand abgewickelt. Im Zusammenhang mit dem nachfolgenden Besitzerwechsel sollen der ehemalige Bürgermeister von Zella-Mehlis, F. W., eine mit ihm liierte Mitarbeiterin des Bundesvermögensamtes und auch die ehemalige Bürgermeisterin von Gehlberg, eine Rolle gespielt haben.

1998 kaufte Dirk Heuser die Schmücke.
2009/10 entstand vor dem historischen Gasthaus die „Schirmbar“. Zusammen mit einem Holzkiosk wurde hier die Laufkundschaft bewirtet.


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Abb. 094-2020
Die Schmücke 2020, von Gehlberg kommend.

095 2020 11 08 Schmuecke2Abb. 095-2020
Die Schmücke 2020 vom Bahnhof Rennsteig kommend.

 

Nach Corona (11.03.2020 – 05.05.2023) wurden keine Übernachtungen mehr angeboten (Begründung: Personalmangel; Wasserversorgung).

Vom 13.02.2023 stammt ein MDR-Video, in welchem Dirk Heuser seine Vision von einem „Panorama-Contel“ (Container-Hotel) vorstellte. 1)


2025 117 SchmueckeAbb. 2025-117
Entwurf des Architektenbüros
„Rittweger + Team GmbH Erfurt“.

Dirk Heuser verstarb am 26.02.2025. Derzeitige Pächterin ist dessen ehemalige Lebensgefährtin K. Jung.

Im Juni 2025 schrieb Anica Therese Knies auf „inSüdthüringen.de unter dem Titel „Bau des Container-Hotels verzögert sich“: „Vor gut zweieinhalb Jahren hat Heiko Rittweger das Konzept des Eigentümers für das Areal rund um das Waldhotel Schmücke in Gehlberg vorgestellt. Getan hat sich seither nichts…“ 2)

Daran hat sich zum Zeitpunkt (2026) des Verfassens dieses Beitrags nichts geändert.



Zeitzeugen: Rolf Fleischhauer; Veronika Jekal; Kerstin Jung



1) mdr Thüringen . (2023, 13.02.) . Facebook . https://www.facebook.com/MDRThueringen/videos/rennsteig-hotel-neubau-an-der-schm%C3%BCcke-geplant/736842524467379/

2) Knies, Anica Therese . insuedthueringen.de . (2025, 13.06.) . https://www.insuedthueringen.de/inhalt.ausflugsziel-schmuecke-bei-gehlberg-bau-des-container-hotels-verzoegert-sich.bcba35af-4daf-4567-a9f7-c650189d2eec.html

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