Chronik 1945 - ... (thematisch)

1906 Das Hotel „Daheim“ (Ergänzung 1906-001)

 

Klara Beißler, geb. Machalett, die mit ihrem Mann aus Amerika zurückgekehrt war, ließ 1905 in der Ritterstraße 16 mit den Ausschachtungsarbeiten für ein „Fremdenhotel“ beginnen. Dieses wurde schon 1906 fertig gestellt und erhielt den Namen „Daheim“. Noch im gleichen Jahr wurde ein Saal angefügt. In dem neuen Hotel sollen keine erfreulichen Zustände geherrscht haben. Der Schiffskoch Beißler und seine Frau hätten sich oft gezankt. Auch hätte Schiffskoch Beißler eigenartige Praktiken in seiner Küche gehabt. Das Personal war nicht erbaut davon, wenn er übriges flüssiges Fett in die zum Reinemachen bestimmten Eimer kippte. Eines Tages fand die mehr als resolute Frau Beißler einen Zettel mit der lakonischen Mitteilung, dass ihr Mann auf dem Wege zurück nach Amerika sei.


0032 013 DaheimAbb. 0032-013


Mit einem „Geschäftsfreund“ bewirtschaftete Klara Beißler ihr Hotel so wenig erfolgreich weiter, dass es am 01.05.1909 an Franz Heimbürger (1877 – 1956) verkauft werden musste.


058 Hotel DaheimAbb. 058

Hotel "Daheim", errichtet 1906

 



1917 011 DaheimAbb. 1917-011

Das 1906 eingeweihte Hotel hatte inzwischen auf der linken Seite anstelle des hölzernen einen massiven Anbau mit Saal erhalten. Der Eingang zur Gaststätte befindet sich zwischen den beiden Gebäudeteilen. Besitzer war seit 1909 Franz Heimbürger.



1924 fand im Hotel "Daheim" die erste öffentliche Vorführung eines Rundfunkgerätes statt. Zahlreiche Neugierige hatten sich eingefunden. Außer einem reichhaltigen Repertoire an Pfeif- und Quietschtönen bekamen sie allerdings nicht viel zu hören.

1926: Sehr aktiv wirkten die Mitglieder des Thüringer Wald-Vereins (der die Aufgabe des ehem. Gehlberger Ortsverschönerungsvereins mit übernommen hatte) bei der Verschönerung Gehlbergs und seiner Umgebung mit. Vor dem Hotel „Daheim“ fanden regelmäßig Kurkonzerte des Blasorchesters statt. Ein Salonorchester von 6 Mann spielte allwöchentlich zu den „Réunions“ auf.

Bisher hatte der Gräfenrodaer Lichtspielunternehmer Bonazza nur gelegentlich Filmvorführungen im Saal des Gasthauses „Herzog Alfred“ veranstaltet. Am 1. Mai 1929 begann der Besitzer des Hotels „Daheim“, Franz Heimbürger, mit regelmäßigen Filmveranstaltungen in seinem Saal. Den Vorführungsapparat bediente Oskar Schmidt (der „Usker“), später Hermann Hellmuth.

Weihnachten 1929 gab es dann noch eine Sensation in Gehlberg. Der Ort wurde endlich an das elektrische Stromnetz angeschlossen. Der große Augenblick gestaltete sich besonders wirkungsvoll im Hotel „Daheim“. Alle Lampen flammten gleichzeitig auf. Prompt brannten auch die Sicherungen durch; es wurde stockfinster im Saal, bis man Kerzen gefunden und den Schaden wieder behoben hatte.

1937: Im Hotel „Daheim“ führte der „Luftschutz“ Ausbildungsabende für die Bevölkerung durch. Sie fanden an 6 Tagen der Woche statt. Die meisten Einwohner besuchten diese recht erzwungenen Veranstaltungen nach der Tagesarbeit sehr ungern.

Franz Heimbürger verpachtete ab 15. Mai 1951 bis 1955 das „Hotel Daheim“ an Curt Helder.1)

1953 wurde der Saal des Hotels modernisiert. Bisher war nur ein Film-Vorführapparat vorhanden gewesen. Wenn eine Filmrolle abgespielt war, musste sie zurückgespult werden, ehe man die nächste einsetzen konnte. Es trat also jedes Mal eine Pause ein, das Licht ging an, die Filmbesucher unterhielten sich, manche suchten schnell die Toilette auf, usw. Nunmehr standen 2 moderne Geräte zur Verfügung, die abwechselnd laufen konnten und ununterbrochene Veranstaltungen ermöglichten. Sie waren in einem feuersicher vom Saal getrennten Anbau an der Südseite des Gebäudes. Hierdurch verschwand der kleine Fußweg von der Ritterstraße hinauf zur Bergstraße. 2)

1953 024 Hotel DaheimAbb. 1953-024

1954 004 Hotel
Abb. 1954-004

 

1957 wurde das Hotel „Daheim“ HO-Gaststätte. Else Gier, die damalige Eigentümerin, durfte noch 17 Betten in eigener Regie vermieten.3)


1957 002 HotelAbb. 1957-002

Foto von 1958
Blick von der Bergstraße auf das "Daheim".

1960 018 DaheimAbb. 1960-018


1961 020 Daheim (2)Abb. 1961-020

Emma Heimbürger, die Besitzerin des Hotels „Daheim“, wurde 1961 vom HO-Kreisbetrieb, dem sie ihre Gaststätte hatte überlassen müssen, in erpresserischer Art aufgefordert, Zimmer für das Personal der HO-Gaststätte zur Verfügung zu stellen.4)


1961 021 DaheimAbb. 1961-021



In der Gemeindevertretersitzung vom 13. April 1962 wurde u. a. bemängelt, dass die Bühne im Hotel „Daheim“ sich in einem völlig desolaten Zustand befand, der Verträge mit der Konzert- und Gastspieldirektion unmöglich machte.

In der Gemeindevertretersitzung vom 10. März 1967 wurde die dringende Notwendigkeit zur Instandsetzung des Tanzsaals im Hotel „Daheim“ wiederholt thematisiert. Der Besitzer weigerte sich, größere Ausgaben zu dessen Sanierung zu tätigen, obwohl die Saaldecke inzwischen dringend reparaturbedürftig war.5)


1963 010 Daheim
Abb. 1963-010


Am 09.01.1968 informierte der Bürgermeister den FDGB-Bezirksvorstand darüber, dass Frau Emma Heimbürger beabsichtige, das Hotel „Daheim“ zu verkaufen. Er empfahl, dieses Haus als Ferienobjekt zu übernehmen.6)

Erstmals wurde davon geredet, dass für das Hotel „Daheim“ größere Umbauarbeiten vorgesehen seien.2)
Diese begannen im 3. Quartal 1968 und sollten 1 Jahr dauern. Die dadurch fehlenden 70 Verpflegungsplätze für die Reisebüro- und Privaturlauber wurden durch die Gaststätten Bruno Woller und Kühn übernommen.7)

Nach längerer Umbauzeit wurde 1969 das „Daheim“ als FDGB-Heim wiedereröffnet. Heimleiter war Werner Andreck, der zuvor das Erholungsheim „Beerberg“ geleitet hatte.
Der Eingang des „Daheim“ wurde an die westliche Stirnseite des Hauses verlegt. Der Saal erhielt einen Notausgang.


1981 003 Gehlberg1 ScheidtAbb. 1981-003

Das "Daheim" unten, Mitte.

1982 009 Ansichtskarte 5BilderAbb. 1982-009
Unten, Mitte, das "Daheim".

1985 018 Ansichtskarte 4BilderAbb. 1985-018
Unten, rechts das "Daheim":

1986 008 Ansichtskarte 4Bilder (2)Abb. 1986-008
Unten, rechts das "Daheim".

1986 009 Ansichtskarte 4BilderAbb. 1986-009
Unten, links das "Daheim".


Nach der politischen Wende (1990) wurde das Ferienheim durch Rückkauf von der Treuhand reprivatisiert. Die neuen Besitzer (Carola und Bernd Seifert) veranlassten umfangreiche An- und Umbauten bzw. Modernisierungen und eröffneten das neue „Daheim“ im Dezember 1993.

Vom Dezember 2004 bis 2007 waren Adelheid Bauer und Bernd Seifert die Betreiber des Hotels. Danach suchten und fanden sie ihr Glück in Südafrika. Das „Daheim“ stand leer.

Ab 2011 betrieben Anke und Michael Böttcher das Objekt, welches sie in „Hotel zum Schneekopf“ umbenannten, als „Natur und Aktiv Hotel“. Aus dem vormals ersten Haus am Platz war 2023 ein GARNI-Hotel ohne öffentliche Gastronomie geworden.


058 2020 webAbb. 058-2020

Foto vom 21.10.2020



Im März 2026 ging das Hotel in den Besitz von Catherina Becker-Mieth und deren Tochter Josephin über. Nach ersten Renovierungen wurde es am 5. Juni 2026 unter dem traditionellen Namen „Daheim“ wiedereröffnet.


2026 046 DaheimAbb. 2026-046
An der Fassade prangt wieder „Hotel Daheim“.



Zeitzeugen: Die Aussagen zur Zeit nach 1990 basieren auf Aussagen von Adelheid und Bernd Seifert und Carola Seifert.


1) Stadt- und Kreisarchiv Arnstadt . Bestand Gehlberg . Signatur 239 . 17.04.1951
2) Stadt- und Kreisarchiv Arnstadt . Bestand Gehlberg . Signatur 206
3) Stadtarchiv Suhl . Signatur 3.4.11.2 . lfd. Nr. 714 . 19.12.1957 . Protokoll über die Sitzung des Rates der Gemeinde am 19.12.1957
4) Stadtarchiv Suhl . Signatur 3.4.11.11. . 748 . 20.03.1961 . Schreiben HO-Kreisbetrieb an Emma Heimbürger
5) Stadtarchiv Suhl . Signatur 3.4.11.2 . lfd. Nr. 712 . 03.03.1967 . Protokoll der Sitzung des Gemeinderates am 03.03.1966
6) Stadtarchiv Suhl . Signatur 3.4.11.12 . lfd. Nr. 956 . 09.01.1968 . Schreiben des Bürgermeisters an Bezirksvorstand des FDGB
7) Stadtarchiv Suhl . Signatur 3.4.11.12 . lfd. Nr. 956 . 09.01.1968 . Schreiben des Bürgermeisters an Bezirksvorstand des FDGB