1937 – 1989 Glasbläserei des Hermann Greiner (Ergänzung 1937-001)

Mit Sicherheit gab es traditionsreichere, größere oder wichtigere private Glasbläsereien in Gehlberg, als die des Hermann Greiner in der Hauptstraße 20. Das Problem besteht aber darin, dass es über erstere keine verifizierbaren Informationen gibt. Im Unterschied dazu konnten im Falle des Hermann Greiner die wenigen, in diversen Gemeindeakten vorhandenen Hinweise, durch dessen Enkel Hartmut Greiner bestätigt oder ergänzt werden.

Das Stammhaus dieses „Greiner“-Zweigs war die Arlesberger Straße 13.


1916 003 ArlesbergerAbb. 1916-003
Haus des Otto Greiner in der Arlesberger Straße im Jahr 1916 


Dort betrieb der Vater von Hermann Greiner, Otto Greiner, eine Glasbläserei und -schreiberei (nachgewiesen seit 1930). Hermann heiratete 1927 die Tochter von Gustav Straube und zog in das Haus der Schwiegereltern (Hauptstraße 20).


1927 003 HochzeitAbb. 1927-003

Hochzeitspaar Hermann Greiner und Berta (geb. Straube) 1927

1974 009 H20Abb. 1974-009
Die Hauptstraße 20 (rechter Gebäudeteil) im Jahr 1974

2020 011 H22 webAbb. 2020-011
Die Hauptstraße 20 im Jahr 2020.

1932 004 HermannGAbb. 1932-004
Hermann Greiner 1932 vor der Lampe 


Obiges Foto des Hermann Greiner vor der Lampe dürfte vermutlich in der elterlichen Werkstatt (Arlesberger Straße 13) entstanden sein, denn Hermann Greiners eigene Werkstatt in der Hauptstraße 20 wurde erstmals 1937 erwähnt.1)

Übrigens betrieb der Sohn des Gustav Straube, Albert Straube, im Haus Hauptstraße 11 ebenfalls eine Glasbläserei.

 
1965 019Straube AlbertAbb. 1965-019
Albert Straube vor der Lampe in der Hauptstraße 11

1965 020 Straube SigmundAbb. 1965-020

Sigmund Straube, Sohn des Albert Straube

1965 021 Straube WolfgangAbb. 1965-021
Wolfgang Straube, Sohn des Albert Straube

 
Hermann Greiner stellte in seiner Werkstatt Präzisionsmessgefäße her. Die Werkstatt (Arbeitsstube genannt) befand sich im 1. Stock des Hinterhauses im rechten Gebäudeteil der Hauptstraße 20.

Es gibt kein Dokument, welches den Zeitpunkt der Geschäftsaufgabe des Hermann Greiner belegt. Letztmals wurde die Werkstatt im Gewerbeverzeichnis vom 01.02.1950 erwähnt. Sein Enkel Hartmut Greiner sagte dazu: „Das Gewerbe muss … in der Hauptstraße auch nur wenige Jahre existiert haben. Von 1939 bis 1956 war mein Großvater Hermann im Cafe Kühn (bis 1952 als Gaststättenleiter dann Buffetier).“


1950 028 LeopoldAbb. 1950-028

Hermann Greiner vor „Kühns Kaffee-Haus“ (Aufnahmedatum unbekannt)


Danach arbeitete Hermann Greiner einige Jahre für den VEB Schott in Gehlberg, anschließend für „ORIS“ und „Brömel“ aus Gräfenroda, die Glaswerke Stützerbach, Manebach und Schmiedefeld. Etwa seit 1961 wurde seine Werkstatt eine Zweigstelle der PGH Glaspräzision Geschwenda.

Dieser Vorgang hatte damals für einigen Wirbel gesorgt. So beschwerte sich der VEB Schott beim Rat des Kreises über vorgenannte PGH, weil diese Angestellte beschäftigte, welche zuvor bei Schott gearbeitet hatten.2)

H. Greiners Sohn Gerhard hatte in der Firma „Emil Fleischhauer“ (Hauptstraße 7) den Beruf eines Glasbläsers und Glasschreibers erlernt. Gerhard arbeitete zunächst als Angestellter der Firma Fleischhauer und später im VEB Schott an der Röhrenzugmaschine, bevor er 1961 in die Werkstatt des Vaters, welche jetzt Außenstelle der PGH Glaspräzision Geschwenda war, wechselte.
Hauptprodukte waren anfangs Reagenzgläser mit Skalierung, dann Messpipetten für Medizintechnik. Das Ausgangsmaterial dafür, die Glasröhren, lieferte Anfangs die Gehlberger Glashütte (Schott), danach kamen diese aus Stützerbach, Schmiedefeld und letztlich aus Geschwenda.

1967 gab Hermann Greiner die Führung der Außenstelle an seinen Sohn Gerhard weiter. Er selbst betrieb – allerdings nicht sehr lange - einen Schuhladen in der ehemaligen Schusterwerkstatt des Oskar Schmidt in der Arlesberger Straße 10.

Die Werkstatt in der Hauptstraße 20 als Außenstelle der PGH Glaspräzision mit dem Betriebsteilleiter Gerhard Greiner existierte bis zur Wende.


1) Stadt- und Kreisarchiv Arnstadt . Bestand Gehlberg . lfd. Nr. 236 . Schreiben der Gemeindeverwaltung Gehlberg an den Hygienearzt . 01.02.1950 . (Abb. 1950-011 und 1950-012)
2) Stadtarchiv Suhl . Signatur 3.4.11.5 . lfd. Nr. 458 . 28.11.1961 . Schreiben des VEB Jenaer Glaswerk Werk II Gehlberg an den Rat des Kreises Suhl


Zeitzeuge: Hartmut Greiner (Enkel des Hermann Greiner)

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