
Autor: Reinhard Schmidt (2026)
In regelmäßigen Abständen kam der ehemaliger Gehlberger Georg Heinz (Schorsch) in seinen Geburtsort Gehlberg. Dort logierte er im Haus seiner Mutter, in der „Schorschen-Burg“ (Hauptstraße 18).
Georg Heinz war im 2. Weltkrieg schwer verletzt worden. Er kam deshalb mit einem Auto, welches komplett auf Handbedienung umgerüstet war. Den Kontakt nach Gehlberg hielt er über Hans-Eberhard Kemter. Diesen und auch den Sohn seines ehemaligen Nachbarn, Hartmut Greiner, wollte er gern beim Musizieren zuhören. Und so organisierte Hans-Eberhard Kemter für den 15.08.1977 einen Tisch zum Heimabend im Erholungsheim „Daheim“.
Georg Heinz im Rollstuhl, dessen Frau und auch die von Eberhard Kemter hatten kaum am Tisch Platz genommen, als das Unheil seinen Lauf nahm. Eine übereifrige Servicekraft am Tresen hatte den Heimbereichsleiter informiert, dass „BRD-Bürger“ im Saal seien. Dieser forderte die „BRD-Bürger“ auf, den Saal zu verlassen. Und so rollte Georg Heinz im Rollstuhl – gefolgt von den anderen Tischgästen – wieder aus dem Saal.
Eberhard Kemter sah dies von der Bühne aus und kündigte an, er werde nicht musizieren, wenn seine Gäste nicht wieder in den Saal dürften. In der Folge packten er, Hartmut Greiner und auch die anderen 3 Musiker ihre Instrumente ein und gingen. Zurück blieb ein Tanzsaal voller Urlauber ohne Musik.
Der Heimbereichsleiter ließ ein Tonbandgerät aufstellen – ein dürftiger Ersatz.
Schon am nächsten Tag wussten alle im Ort, dass man einen alten Gehlberger im Rollstuhl aus dem „Daheim“ rausgeschmissen hatte.
Auch die Bezirksleitung der SED war im Bilde und natürlich auch die STASI (Ministerium für Staatssicherheit). Allerdings erfuhren diese nur von einem „BRD-Bürger“, Dass dieser ein ehemaliger Gehlberger und körperbehindert war, spielte keine Rolle.
Eberhard Kemter und Hartmut Greiner wurden von der STASI vorgeladen. Kemter verwahrte sich dagegen, dem Vorfall eine politisch Dimension zu geben. Er bezeichnete die Verfahrensweise des Heimbereichsleiters als „unmenschlich“.
Die Folgen: Auftrittsverbot für die Kapelle „GT73“ und eine Akte bei der STASI
Die Frauen der Musiker wurden – so berichtete H.-E. Kemter bei der Kreisleitung der SED vorstellig. Sie erreichten, dass das Auftrittsverbot auf ¼ Jahr gekürzt wurde.
H.-E. Kemter ging mit seiner Frau nach der Wende – 12 Jahre nach dem Vorfall - nach Bayern. Er machte noch viele Jahre Musik. Hartmut Greiner wurde nach der Wende selbstständiger Unternehmer und macht noch heute (2026) Musik.
Zeitzeugen: Hartmut Greiner; Hans-Eberhard Kemter (beide 2025)